St. Antonius von Padua

Die Antoniuskirche liegt zentral in Alstaden auf dem Antoniusplatz an der Bebelstraße. Sie wurden von 1896 bis 1897 als neoromanische Basilika errichtet und war zwischen 1903 und 2007 eigenständige Pfarrkirche. Seit 2007 ist sie die Hauptkirche der Gemeinde St. Antonius Alstaden.

St. Antonius ist auch außerhalb der Stadt Oberhausen für die Kirchenfenster berühmt, die ab 1979 von der Künstlerin Hildegard Bienen geschaffen wurden. Die Kirche gilt als Beispiel für ein altes, aber dennoch modern wirkendes Gotteshaus. 


Als unser Diakon Herr Hohmann einmal in die Antoniuskirche einlud, fragte jemand:
„Ist das die Kirche an der Bebelstraße mit dem Turm, den man so gut sehen kann?“
„Nein“, antwortete Diakon Hohmann, „Das ist die Kirche mit dem Turm, den man eben nicht sehen kann!“
Tatsächlich ist das einzige, das sofort an St. Antonius auffällt, ihr Äußeres aus roten Backsteinen, das man eher in der Toskana als mitten im Ruhrgebiet vermuten würde. Ihre geringe Größe, ihre Außergewöhnlichkeit und ihre zurückgezogene Lage sind eng verwoben mit ihrer Geschichte und der Geschichte des Ortsteils, in dem sie errichtet wurde. 

Kapitel 1: Von zwei Dörfern, der Zeche und dem Börsencrash
Die Entstehung der Antoniuskirche

Kapitel 2: Neoro-was für ein Zeug? 
Die Außenarchitektur der Antoniuskirche

Kapitel 3: Von Kamelen, rauchenden Schloten und Harmonie
Die Innenarchitektur der Antoniuskirche

Kapitel 4: Wenn die Kirche leuchtet
Die Fenster der Antoniuskirche

Kapitel 5: Rund um die Kirche
Der Antoniusplatz


Kapitel 1: Von zwei Dörfern, der Zeche und dem Börsencrash

In den 1890er Jahren war Alstaden ein aufstrebender Industriestandort mit etwa 7000 Einwohnern. Der Ort gehörte zur Bürgermeisterei Styrum im Landkreis Mülheim an der Ruhr und bestand aus den beiden Dörfern „Heiderhöfen“ rund um den heutigen Fröbelplatz und dem eigentlichen „Alstaden“ rund um die heutige Kewerstraße, die im Laufe der Zeit zusammengewachsen waren.

Zwar waren auch die Landwirtschaft und die Schifffahrt wichtige Erwerbszweige des ehemaligen Bauerndorfes, das in den vergangenen Jahren zu einem angesehenen Hafen aufgestiegen war. Daneben hatte Alstaden außerdem mit seinem Solbad Bedeutung als Kurort.
Aber die Zeche, die Stahlwerke im nördlich liegenden Oberhausen sowie insbesondere die Ziegeleien, die Millionen von Steinen aus dem Lehmboden produzierten, wurden immer wichtigere Arbeitgeber.

Mit der Industrie wuchs auch die Einwohnerzahl von Alstaden enorm.
Daher beschloss die Pfarrei St. Joseph Styrum, zu der Alstaden zu diesem Zeitpunkt gehörte, eine neue Kirche errichten zu lassen. Es boten sich, weil der Ort so stark und unsystematisch „gewuchert“ war, nicht viele Grundstücke an. Schließlich entschied sich das Erzbistum Köln für ein Grundstück am damaligen Treibweg, das auf halber Strecke zwischen den alten beiden Dorfkernen (am Fröbelplatz und an der Kewerstraße) sowie den neuen Häusern im Osten des heutigen Stadtteils. Der Landwirt Albert Müller schenkte der Kirchengemeinde diesen Acker und 1896 wurde der Grundstein zur Antoniuskirche gelegt.

Der Oberhausener Architekt Franz Börgershausen war Baumeister. Während die anderen Kirchen der Umgebung alle im gotischen Stil errichtet wurden, plante Börgershausen eine neoromanische Basilika. Ein Jahr später wurde diese fertiggestellt und als Filialkirche von St. Joseph dem heiligen Antonius von Padua geweiht, erster Pastor (damals noch „Rektor“ genannt) wurde Andreas Jacquorie.

Nicht gänzlich unerwarteterweise wuchs Alstaden auch danach weiter an. 1903 wurde St. Antonius bereits zur Pfarrei erhoben und Joseph Hammels zum ersten Pfarrer ernannt. Schon 1905 überschritt die Einwohnerzahl die 10.000er-Marke und als Alstaden 1910 ein Stadtteil von Oberhausen wurde, lebten über 14.000 Menschen im Ort. Folge davon: die Kirche war deutlich zu klein. 1926 entwarf der Hagener Architekt Spelling Pläne für eine Erweiterung der Kirche, die auch einen hohen Turm beinhalten sollte. Doch die Weltwirtschaftskrise zog 1929 einen Strich durch die Rechnung: in Folge eines Börsencrashes verlor die Reichsmark rasch an Wert und das ersparte Geld reichte innerhalb weniger Wochen gerade noch für den Kauf von einem Laib Brot aus.

Die geringe Größe liegt also daran, dass Alstaden zum Zeitpunkt der Errichtung wesentlich kleiner war als heute und später kein Geld für eine Erweiterung da war. Der „toskanisch“ anmutende Flair rührt vom seltenen, neoromanischen Baustil her. Die zurückgezogene Lage am Antoniusplatz schließlich hat ihre Ursache darin, dass die Kirche gebaut wurde, bevor der heutige Ortskern rund um die Bebelstraße entstand. 

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Kapitel 2: Toskana in Alstaden

Im 19. Jahrhundert kam in Europa der Trend auf, neue Gebäude im Stil längst vergangener Zeiten zu gestalten. Dieser Rückgriff auf historische Stilrichtungen nennt sich „Historismus“. Viele der Kirchen im Ruhrgebiet stammen aus dieser Zeit, weshalb sie älter wirken, als sie eigentlich sind. Die Unterarten des Historismus tragen alle die Vorsilbe „neo“. Das steht für „neu“. Herz Jesu und St. Joseph sind Beispiele für neo-gotische Kirchen. Der gotische Stil, in dem zum Beispiel der Kölner Dom errichtet wurde, zeichnet sich durch hohe Spitzbögen aus.
Für Kirchen in unseren Breitengraden ist der neo-romanische Stil seltener, weswegen Diakon Hohmann ihn als „toskanisch“ bezeichnet. Die Romanik ist deutlich älter, stammt aus den Jahren 1000 bis 1200. Rundbögen, Säulen mit blockartigen Aufbauten und betont wuchtige Steinwände sind typisch für sie. Eine solche neoromanische Kirche ist auch St. Antonius.

Aus architektonischer Sicht gesprochen handelt es sich um eine dreischiffige neoromanische Basilika. Eine „Basilika“ ist eine langgestreckte Kirche, deren mittleres Abteil („Schiff“) deutlich höher ist als die seitlichen „Schiffe“ und eigene Fenster im sogenannten Obergaden besitzt. Diese Fenster im Obergaden sind typisch romanische Rundbogenfenster, während die Fenster der Seitenschiffe alle schlüsselförmig gestaltet sind. Im Chorraum finden sich aber wieder Rundbogenfenster, genau wie die Säulen im Innenraum, die sogenannten „Arkaden“, rundbogenförmig sind und blockartige „Kapitelle“, also Aufbauten, besitzen. 

Der kleine viergeschossige Turm hat ein Pyramidendach, ebenfalls typisch für neuromanische Kirchen.

Auch die Gebäude rund um die Kirche am Antoniusplatz sind im gleichen Stil und in den gleichen roten Backsteinen errichtet: das Franziskushaus, das Bernardushaus, die ehem. Antoniusschule, das Gebäude der Bücherei sowie das Gebäude auf der Südseite des Platzes. 

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Kapitel 3: Von Kamelen, rauchenden Schloten und Harmonie

Die Antoniuskirche ist dreischiffig. Neben dem Mittelschiff gibt es zwei Seitenschiffe, die direkt am Mittelschiff anliegen und durch die Arkaden, die Säulen, von ihm getrennt sind: das südliche „Marienschiff“ und das nördliche „Kamelschiff“.
Warum das Marienschiff so heißt, ist offensichtlich: am Seitenaltar am Ende des Schiffs befindet sich ein großes Mosaik von Maria, die ihren Mantel ausbreitet. Es wurde von Johannes Geulen gestaltet und ist eines der wenigen Überbleibsel aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, in dem St. Antonius vollkommen ausbrannte.

Der Name des Kamelschiffs erschließt sich jedoch nur dem genauen Betrachter. An jedem Türgriff ist eine Bibelstelle dargestellt – am Marienschiff das Gleichnis vom Sämann, am Haupteingang die Fußwaschung und das Gleichnis vom barmherzigen Samariter sowie am Kamelschiff: das Gleichnis vom Kamel im Nadelöhr („Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel gelangt.“).
Der Schlüssel zur Kirche passt am Haupteingang, an der Sämannpforte und in der Sakristei, aber nicht am Kamelschiff. Hierfür gibt es einen eigenen Schlüssel, den nur Diakon Hohmann besitzt. Das sei so, sagt er spaßeshalber, weil der Diakon das Kamel, der Lastenträger, der Gemeinde sei.

Im Kamelschiff befindet sich am Seitenaltar neben der Kerze für Adolph Kolping ein weiteres Mosaik von Johannes Geulen: der heilige Josef von Nazaret. Im Hintergrund erkennt man ganz unbiblisch rauchende Schlote, eine Erinnerung an die Industrie im Ruhrgebiet, deren Schutzheiliger Josef ist.

Der Altar wurde, wie ein Großteil der Kirche, in den Achtzigern im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils von der Künstlerin Hildegard Bienen gestaltet. Bei diesem Konzil wurde die Liturgie und ein Großteil der Lehre der Katholischen Kirche modernisiert und vom Zeitgeist längst vergangener Jahrhunderte befreit. Seitdem wird die Messe vom Priester mit dem Gesicht zur Gemeinde gefeiert. Der neue Altar steht daher zentral in der Kirche. Er zeigt einen Weinberg sowie Motive aus der Bibel und enthält Reliquien des heiligen Quirinus sowie von Märtyrern aus Köln.

Im kleinen Turm der Antoniuskirche befinden sich vier Glocken. Sie tragen die Namen „Antonius“ (nach dem Schutzheiligen der Kirche), „Barbara“ (nach der Schutzheiligen der Bergleute), „Josef“ und „Himmelskönigin“ und wurden 1958 in Gescher gegossen. Ihre Töne sind mit denen der Evangelischen Kirche abgestimmt, damit die beiden nah benachbarten Geläute miteinander in Harmonie klingen. 

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Kapitel 4: Wenn die Kirche leuchtet

Kapitel 5: Rund um die Kirche.


Text: Luca A. Naudszus
Dank gilt: Marko Bralic, Augustinus Gröger, Hans-Joachim Hohmann, Helmut Krebs, Stefan Lohschelder, Ludger Schepers, Gerhard Steinforth, Wolfgang Wrzask
Quellen:
Janssen, G.-G.: Zur Geschichte Alstadens und seiner katholischen Pfarrgemeinde. In: Stadt Oberhausen (Hrsg.): Abenteuer Industriestadt 18741999. Beiträge zur Stadtgeschichte. Verlag Laufen, Oberhausen 2001. 
Steinforth, G.: Die Antoniuskirche in Alstaden. 
Selbstverlag, Oberhausen 1992. 
Vier, M. & Pilat, R.: Alstaden. 1000-jähriger Stadtteil an der Ruhr. 
Hrsg. vom Bürgerring Oberhausen-Alstaden 1950. Selbstverlag, Oberhausen 1998.